Beziehung, Psychologie, Wissenschaft

Wie Ihr gestriger Tag entstand – So haben Sie es noch nie betrachtet

Wie Ihr gestriger Tag enstand-02Wenn Sie sich fragen, wie die persönliche Realität entstand, die Sie gestern erlebt haben, gibt es eine ganz einfache Wahrheit: Real war, was Sie bemerkten. Zu unserem Erlebnis von der Welt werden immer genau die Informationen werden, die sich unsere Sinne aus der tatsächlich vorhandenen Realität herausziehen. Umgekehrt ausgedrückt: alles, was gestern nicht Ihre Wahrnehmung erreicht hat, war nicht Teil Ihres Tages. Und alles was niemals Ihre Wahrnehmung erreicht, wird am Ende niemals Teil Ihres Lebens, gewesen sein. Unsere Wahrnehmung und worauf sie sich gerade richtet, ist also der Zentralschlüssel für die Entstehung unseres persönlichen Lebens. Das können Sie für sich nutzen!

Stellen Sie sich einen Ureinwohner vor, der zu einem bislang unberührt lebenden Stamm im Dschungel Südamerikas gehört. Von der Mehrheit dessen, was Sie jeden Tag als real erleben, weiss dieser Mensch nicht einmal, dass es überhaupt existiert. Er lebt auf demselben Planeten, spürt dieselbe Sonne auf der Haut, atmet dieselbe Luft, ist ebenfalls ein Mensch, und befindet sich dennoch in einer vollkommen anderen Welt.

So plakativ ausgedrückt, erscheint es jedem spontan ganz logisch. Doch begeben wir uns von fernen Ländern in Ihre unmittelbare Umgebung und sehen, ob es auch dort stimmt.

Meine Wahrheit ist, das was mir auffällt.Wie Ihr gestriger Tag entstand 3

Wenn Ihr Lebenspartner traurig ist, wird Ihnen das vielleicht irgendwann auffallen. Im Gespräch könnten Sie herausfinden, dass er oder sie bereits seit Tagen oder Wochen traurig ist. Aber Sie haben es nicht bemerkt. In Ihrer Wahrnehmung war die Welt Ihrer Beziehung bis eben noch in Ordnung, obwohl sie de facto nicht in Ordnung war. Ihnen ist etwas Wesentliches entgangen, obwohl es die ganze Zeit direkt vor Ihnen war. Erst jetzt, wo es Ihnen auffällt, verändert sich Ihre Realität schlagartig von »Ich habe eine glückliche Beziehung« in »Ich habe einen unglücklichen Partner an meiner Seite.«

Oder Sie gehen an einem Sommerabend am See spazieren und ein Passant macht Sie darauf aufmerksam, dass am Himmel hinter Ihnen fünf wundervolle, bunte Heißluftballons schweben. Hätte er sie nicht darauf hingewiesen, hätten Sie Ihren Abendspaziergang anders erlebt als so.

Vielleicht auch trinken Sie ab und zu gerne Rotwein, kennen sich aber kaum damit aus. Irgendwann in einem Urlaub treffen Sie einen Weinliebhaber, der Ihnen erklärt, dass in bestimmten Rotweinen der Geschmack von Eichenholz mitschwingt, weil sie lange in solchen Fässern gelagert werden. Und plötzlich schmecken Sie es auch. Sie erleben beim Verkosten innerlich das alte Fass mit und vielleicht sogar eine Ahnung des Kellers, in dem es steht. Künftig werden Sie sofort herausfinden, ob ein Rotwein in solchen Holzfässern gelagert wurde oder nicht. Ihre ganze Erlebniswelt beim Trinken von Rotwein wird für immer ein Stück größer sein, als zuvor. Das neue Wissen hat Sie verändert.

Ein Selbstversuch: wie Ihre Gedanken Ihre Realität erschaffen. 

Ehe Sie weiterlesen, sehen Sie sich folgendes kurze Video an, das der amerikanische Psychologieprofessor Daniel J. Simons zusammen mit seinem Kollegen Christopher Chabris erstellt hat.

→ Wichtig: Zählen Sie mit, wie oft sich Teilnehmer der Mannschaft mit den weissen T-Shirts Bälle zuwerfen.

Sehen Sie es jetzt an.

Wenn Sie sich jetzt nicht sicher waren, wieviele Ballwechsel es gab: Kein Problem. Die Frage, um die es geht lautet: Ist Ihnen beim ersten Ansehen des Ballspiels etwas Ungewöhnliches aufgefallen? Falls nicht, wären Sie in guter Gesellschaft von 80% aller Menschen, die das Video gesehen haben.

Sehen Sie sich den Film nochmals in Ruhe an, nun aber ohne eine besondere Aufgabe.

Ist Ihnen jetzt etwas Ungewöhnliches aufgefallen? Falls ja, liegen Sie wieder bei der großen Mehrheit aller, die diesen Test mitmachten. Denn nun sieht fast jeder den Mann im Gorillakostüm, der in aller Ruhe durch das Spielfeld läuft, in die Kamera blickt, sich auf die Brust klopft und wieder verschwindet.

Die Aufgabe, die man gerade hat, erschafft die persönlich erlebte Realität.Wie Ihr gestriger Tag entstand_01

Wenn Sie sich an Ihren gestrigen Tag erinnern, werden Sie vielleicht glauben, Sie wüssten in etwa, was ganz dicht um Sie herum los war. Doch wie können Sie sicher sein, dass Ihnen kein Gorilla über den Weg gelaufen ist? Sie würden jetzt vielleicht sagen: Das hätte ich bemerkt. Doch zwei wirklich beeindruckende Tatsachen sprechen dagegen:

  1. Die physikalisch messbare Realität um uns herum setzt sich aus 11 Millionen bits (Informationseinheiten) pro Sekunde zusammen.
  2. Unser Gehirn kann 40 bis 60 Informationen pro Sekunde verarbeiten.

Unser Gehirn mit den herkömmlichen Sinnen kann also nur 1/200.000 der tatsächlichen Realität jeder Sekunde aufnehmen und verarbeiten. Anders geschrieben: 0,005 % der tatsächlichen Realität in unserer Umgebung kommen auch in unserem Bewusstsein an.

Für das eigene Leben bedeutet das:

  • Worauf immer Sie innerlich gerade ausgerichtet sind, wird Ihre Welt erzeugen. Wenn Sie als Frau gerade schwanger sind, werden Sie überall schwangere Frauen, Babys und junge Familien sehen. Wenn Sie gerade ein rotes Auto kaufen möchten, werden Sie überall rote Autos sehen. Wenn Sie Menschen gerade negativ sehen, werden Ihnen überall auch solche auffallen. Wenn Sie Menschen lieben, werden Ihnen viele liebevolle auffallen.
  • Falls Sie die Kräfte in Ihnen gezielt ausrichten möchten, gibt es zwei ganz einfache Methoden. Entweder, Sie stellen Sie sich eine Frage. Jede innere Frage richtet Ihr Bewusstsein wie einen Filter nach den Informationen aus, die eine Antwort erzeugen. Oder Sie setzen sich eine Aufgabe, die Ihnen am Herzen liegt. Ein Ziel. Dann wird Ihr Unterbewusstsein ständig nach Informationen fischen, die zu der Aufgabe oder dem Ziel passen.

60 Informationen aus 11 Millionen erschaffen die persönliche Realität. Für einen guten Umgang mit anderen Menschen bedeutet das:

  • Was der andere gerade zu Ihnen sagt, ist nicht die objektive Wahrheit. Es ist nur seine momentane Meinung über etwas. Vergeben Sie ihm, wenn er anders tickt und Sie einfach nicht versteht.
  • Always ask why! Statt sofort Ihre eigene Meinung darzulegen, fragen Sie den anderen, warum er so denkt, wie er denkt. Und falls Sie in Ihren Augen einen Fehler entdecken, sagen Sie es nicht gleich. Fragen Sie stattdessen weiter, warum seine Wahrnehmung es an dieser Stelle so sieht.
  • Glauben Sie nichts so einfach, nur weil es jemand besonders überzeugend erzählt. Greifen Sie es auf und forschen Sie selbst weiter, ob es wirklich stimmt und was es für Sie bedeutet.
  • Falls Sie sich wünschen, dass ein anderer Sie endlich einmal ganz und gar versteht, erinnern Sie sich daran: Keine zwei Menschen erleben dieselbe Realität. Er kann Sie gar nicht voll und ganz so sehen, wie Sie sind. Das zu wissen nimmt viel Spannung aus einer Beziehung.

»Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken formen wir die Welt.«  Buddha (563 – 483 v. Chr.), auch: Siddhartha Gautama. Erleuchteter Weisheitslehrer und Begründer des Buddhismus


 

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1 Kommentar

  • Antworten anne Hönnscheidt 20. März 2015 um 22:04

    Darüber könnte ich Stundenlang lesen,was ist spannender als das eigene Leben???Mehr davon.Danke für Ihre Arbeit.

  • Antworten