Beziehung, Philosophie, Psychologie, Spiritualität

Stellen Sie nur diese eine Frage und Ihr Leben wird sich spürbar verbessern

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Nur wer die richtigen Fragen stellt, erhält auch die richtigen Antworten. Das gilt auch für die Fragen, die man sich selbst im eigenen Kopf stellt. Wenn sich etwas einfach nicht bessern oder verändern will, liegt es oft an der falschen inneren Frage zum Thema. Sobald man sich die richtige Frage stellt, springt das Schloss der Tür auf, vor der man so lange warten musste und der Weg wird frei.

Unser Gehirn ist darauf programmiert, Lösungen und Antworten auf drei Arten herbeizuführen:

  1. Ich muss dieses Ziel erreichen
  2. Etwas oder jemand oder ich selbst muss sich endlich verändern
  3. Ich muss mich vor etwas oder jemandem schützen oder abgrenzen

So zu denken ist erst einmal normal.

Aber in vielen Fällen bringt es überhaupt nichts, denn ganz oft haben Sie über nichts von 1) oder 2) oder 3) die Kontrolle. Die Situation verschlimmert sich häufig nur noch, wenn man danach vorgeht.

Was ist die Lösung? Umdenken!

In jeder schwierigen Situation geht es nur oberflächlich gesehen um die Situation selbst. Die Situation ist nur die Kulisse. In Wahrheit geht es nur um eine einzige Frage:

»Zu welchem Wachstum will mich die Situation gerade bringen und was ist mein Beitrag um dieses Wachstum voranzubringen?«

Über diese Frage haben Sie immer die Kontrolle, damit können Sie arbeiten!

Nehmen wir Beziehungen. In jeder Beziehung geht es – abgesehen von der verbindenden Zuneigung und den erlebten Hochs und/oder Tiefs – um drei wichtige Dinge:

  • Ausgleich, also etwas einzubringen und dafür etwas anderes zu bekommen, wobei das über längere Zeit hinweg gesehen in einem gefühlten Gleichgewicht sein muss.
  • Erleben, also den anderen und sich selbst und alle Gefühle im praktischen Umgang miteinander ganz praktisch zu erfahren.
  • Verstehen, also das eigene innere Wachstum. Wenn wir den anderen verstehen, verstehen wir das Mensch-Sein. Wenn wir das Mensch-Sein verstehen, verstehen wir uns selbst und erst dann sind dauerhafte Liebe und Selbst-Liebe möglich. Verstehen löst viele Beziehungsprobleme, Unverständnis hingegen erschafft oft Dauerprobleme.

shutterstock_18700351Praxisübung: So kommen Sie von einer unlösbaren Beziehungs-Frage, zu einer lösbaren Wachstumsfrage

Jede Beziehungssituation wird Ihnen in Ihr Leben geschickt, damit Sie etwas erleben, erkennen, verstehen und wachsen. Es geht also in Wahrheit nie nur um den anderen. Es geht immer darum, was in Ihnen selbst geschieht. Zu was macht es Sie? Was soll verstanden und gelernt werden?

Beginnen Sie mit den ganz einfachen, natürlicherweise an der Oberfläche liegenden Fragen. Schreiben Sie alle Fragen auf, die Sie bewegen. Angenommen, eine Ihrer Fragen würde lauten: „Warum belügt und verletzt mich dieser egoistische Hans immer wieder vorsätzlich?


♥ Schritt 1: Die Frage ordnen. Beginnen Sie mit dem Ziel: Ihr persönliches Wachstum

Formulieren Sie Ihre zuvor gefundene Frage um. Beginnen Sie mit: „Um zu wachsen, möchte ich verstehen, …“

„Um zu wachsen, möchte ich verstehen, warum dieser egoistische Hans mich dauernd vorsätzlich belügt und verletzt.“


♥ Schritt 2: Ent-dramatisieren und die Frage neutral machen: Entfernen Sie Bewertungen, Verurteilungen und die Folgen aus der Frage.

„Dauernd“, „vorsätzlich“ und „egoistisch“, sind Bewertungen und Verurteilungen. Dass man sich „verletzt“ fühlt, ist eine persönliche Folge. Nach der Bereinigung lautet die Frage:

„Um zu wachsen, möchte ich verstehen, warum Hans mich belügt.“

Spüren Sie, wie sich die Energie in der Frage (und in Ihnen selbst) langsam dreht? Doch noch immer sind Sie persönlich verwickelt und können nicht ganz klar sehen, was über das Mensch-Sein verstanden werden soll.


♥ Schritt 3: Die Frage nach oben hin öffnen: Entfernen Sie die betroffene Person aus der Frage.

Aus „Hans“ wird „ein Mensch“: „Um zu wachsen, möchte ich verstehen, warum ein Mensch seinen Lebenspartner belügt.“

Noch weiter öffnen Sie sich, wenn Sie nach den „möglichen Gründen“ fragen, die es geben kann: „Um zu wachsen, möchte ich verstehen, welche möglichen Gründe es dafür geben kann, dass ein Mensch seinen Partner belügt.“

Schreiben Sie nun alle Gründe auf, die Ihnen – auch theoretisch – dazu einfallen. Sie befinden sich nun sozusagen in einer kreativen Sammelphase.

  • Er will etwas haben, wonach er sich sehnt (unerfüllte Wünsche). >>Was ist das?
  • Er will etwas vermeiden, was ihm unangenehm ist (Angst und Selbstschutz). >>Was?
  • Er will „spielen“ und sich selbst ausprobieren, um seine Macht und seine Grenzen zu erfahren… >>Was genau?

♥ Schritt 4: Die Selbstbetrachtung (falls Sie praktisch umsetzbare Schritte suchen)

Nun haben Sie die Wachstumsfrage und eine Reihe von möglichen Antworten. Sie brauchen keine Entscheidung für oder gegen etwas treffen. Die Sammlung vor Ihren Augen genügt.

Richten Sie sich nun auf sich selbst und Ihr Leben aus und fragen Sie sich die folgenden drei Fragen:

  1. Was will gerade losgelassen werden?

a) in meiner Aussenwelt: Die Verbindung zu einem Menschen oder auch nur die Art der Beziehung. Gegenstände, Wohnorte, praktische Ziele, Projekte,…

b) in meiner Innenwelt: Eine Verurteilung, eine Vorstellung, Illusion, Hoffnung, Idee, Meinung, Wunschdenken,….

  1. Was will gerade in eine neue Ordnung gebracht werden?

a) in meiner Aussenwelt: Wohnungseinrichtung, berufliche Situationen, bestimmte (überholte) Verhaltensweisen und Rituale,…

b) in meiner Innenwelt: Mein Weltbild. Mein Menschenbild. Das, was ich glaube über mich selbst zu wissen. Meine Entschlüsse. Meine bisherigen inneren Ziele. Meine alten Überzeugungen. Mein bisheriges Wissen. Meine Gefühle zu mir und anderen Menschen…

  1. Was will gerade neu erschaffen werden?

a) in meiner Aussenwelt: Eine Umgebung, ein Wohnort, ein Beruf, ein Hobby, Ein Wohnort, eine Partnerschaft,…

b) in meiner Innenwelt: Neue Erfahrungen, neues Wissen, neue Entscheidungen. Ein neues Ich-Bewusstsein. Eine vielleicht völlig neue Sicht der Welt…


Dieser Weg kann Ihnen in Situationen helfen, in denen Sie Ihre Gedanken und Gefühle in eine Ordnung bringen möchten. Anschließend wird es in Ihnen ruhig und klar werden. Ein Tipp ist, es schriftlich auf einem Blatt Papier zu machen, so dass Ihre Augen am Ende immer wieder auf das Ergebnis blicken können. So können Sie sich an die gewonnene Klarheit auch morgen noch erinnern.

Viel Freude und Erfolg beim Ausprobieren!

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4 Kommentare

  • Antworten Brigitte Güttes 29. Januar 2016 um 12:05

    Hallo Herr Schache und hallo Frau Engelhardt,

    Ihren Artikel finde ich sehr anregend, er erinnert mich an Byron Katies Fragen in “Lieben was ist”.
    Die richtige Frage zu stellen und versuchen zu verstehen finde ich ja noch relativ einfach, der eigentlich
    schwierige Schritt besteht für mich in der praktischen Umsetzung: Was wollen mir die Antworten jetzt sagen? Wie geht es weiter? Der Verstand versteht, das Herz hinkt zwar etwas hinterher, aber versteht irgendwo schon auch, aber jetzt braucht es den Mut, etwas verändern zu wollen, den Schritt in unbekanntes Terrain zu wagen.
    So stellen Sie die Frage in Schritt 4 “Was will gerade losgelassen werden?” – und hier fängt die Verwirrung (zu mindest meine Verwirrung) wieder an: soll ich Beziehung loslassen? soll ich die Art der Beziehung loslassen? oder soll meine Ideen von Beziehung loslassen? usw. Oder: Habe ich doch die falsche eine Frage gestellt?
    So, Sie sehen, da beginne ich mich im Kreis zu drehen. Vielleicht gibt es ja hierbei einen Tipp für mich, um noch mehr Klarheit für die praktische Umsetzung zu erhalten.

    Herzliche Grüße, Brigitte Güttes

  • Antworten Leon Reimar Schmid 25. Oktober 2015 um 20:39

    Vielen Dank für den interessanten Artikel

  • Antworten Tamara Pohl 22. Oktober 2015 um 23:50

    Auch wenn es vlt etwas zu weit hergeholt ist. Weshalb sollen wir immer neue Dinge erschaffen? Manchmal ist es auch gut bestehendes zu genießen. Das ist in der heutigen Zeit eine wahre Kunst!

    • Antworten Nika 23. Oktober 2015 um 17:51

      Aber auch Bestehendes unterliegt dem Wandel, nicht wahr? Die Kunst liegt ja vielleicht darin, das Bestehende in seiner jeweiligen Form zu genießen – oder zumindest anzunehmen.

    Antworten