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»Und täglich grüßt das Murmeltier« – So befreien Sie sich aus Wiederholungsschleifen

Woodstock2In dem psychologisch und spirituell hintergründigen Klassiker »Und täglich grüßt das Murmeltier« (engl. Groundhog Day) versucht der notorisch schlecht gelaunte Wetter-Reporter Phil Connors, dargestellt von Bill Murray, einem sich unablässig wiederholenden Tag zu entkommen. Aber was er auch anstellt… der Tag beginnt jeden Morgen um sechs Uhr wieder auf die exakt gleiche Art und Weise. Phil wird schnell klar, dass er in einer Wiederholungsschleife steckt…

Er vermutet, dass er etwas Bestimmtes lernen muss, um der Schleife zu entkommen. Er weiss nicht genau was es ist, aber er ahnt, dass er ein liebenswerter Mensch werden soll. Und so probiert er Tag für Tag, in den immer gleichen Situationen, mit den immer gleichen Menschen, immer wieder neue Verhaltensweisen aus, um gemocht zu werden. Eine besondere Aufgabe besteht darin, die Liebe seiner bezaubernden Kollegin Rita (Andie McDowell) zu gewinnen. Doch was immer er auch anstellt, diese letzte Herausforderung gelingt ihm nicht. Und so läuft die Wiederholungsschleife des Murmeltiertages immer weiter.

Irgendwann gibt Phil auf, den Tag verändern zu wollen. Er hört damit auf Fähigkeiten zu erwerben, die ihn angesehen oder liebenswert machen. Er gibt auf, als besonders cleverer oder besonders guter Mensch angesehen zu werden. Er hört auch damit auf, Rita zu beeinflussen und für sich gewinnen zu wollen. Und plötzlich, als er alle seine Vorstellungen von Liebe und geliebt werden loslässt und sich nur aus dem Herzen heraus für andere Menschen interessiert, geschieht ein Wunder und verändert alles…

Der Film zeigt uns drei grundlegende Gesetze des Lebens.Murmetier3

  1. Um mich herum laufen – bemerkt und unbemerkt – ständig Wiederholungsmuster ab. Viele davon (besonderes in Beziehungen) unterliegen nur sehr begrenzt meinem freien Willen.
  2. Die Muster reagieren auf eine ganz bestimmte Art und Weise auf etwas in meinem Inneren und erzeugen in meinem Leben Wiederholungen.
  3. Wenn ich eine ganz bestimmte Erkenntnis gewonnen habe und sie umsetze, lassen mich die alten Wiederholungsschleifen los und das lang ersehnte Neue tritt ein.

So einfach das vielleicht klingt, so vertrackt sind manchmal die Schritte im persönlichen Leben. Folgende Übersicht über die Stufen des Freiwerdens hilft, die Orientierung zu behalten.

  • Stufe 1 (Die Automatik): Solange ich etwas von (einem) anderen haben will, oder unbedingt vermeiden will, bleiben die Muster erhalten. Weil einfach nur meine Verhaltensweisen mit den anderen Verhaltensweisen reagieren.
  • Stufe 2 (Die Beobachtung): Wenn ich beginne, meine Umgebung nach Wiederholungsmustern zu untersuchen, habe ich erstmals wirklich die Möglichkeit etwas zu erkennen und eine Veränderung einzuleiten.
  • Stufe 3 (Die Falle): Umso mehr ich versuche, die von mir erkannten Muster bei Menschen und Situationen zu verhindern oder zu verändern, umso stärker erhöht das Leben den Gegendruck auf mich. Es klappt einfach nicht. Der Grund: Menschen, Muster und alte Situationen wollen im bisherigen Zustand bleiben und wehren sich gegen die Beeinflussung.
  • Stufe 4 (Die Ratlosigkeit): Nachdem ich Jahre oder Jahrzehnte lang versucht habe, bestimmte Wiederholungsmuster zu verhindern, glaube ich fast, dass in mir etwas Ungutes wirkt und mich nicht vorankommen lässt.

Die Ursache: Die ungewollten Wiederholungen verschwinden nicht, solange wir Ankerpunkte im Außen gesetzt haben. So wie Phil im Murmeltierfilm. Er achtet nur noch auf die Reaktionen im Außen, so sehr, dass er schließlich nicht mehr er selbst ist. Er will unbedingt erreichen, dass Rita sich in ihn verliebt. Und je mehr er das versucht, umso schlimmer wird sein Tag.

Verborgene Muster lieben diese Ankerpunkte (andere Meinungen, Reaktionen, Verhaltensweisen) im Außen, weil sie sich in ihnen verhaken und mit ihnen ein Spiel eingehen können. Also lautet ein guter Weg: Gib die Ankerpunkte im Außen auf. Erschaffe neue Ankerpunkte in dir selbst.

  • Stufe 5 (Das neue Ich-Zentrum): Ich koppele mich von den Mustern der Außenwelt ab, indem ich meine Ankerpunkte grundlegend verändere. Ich beschließe: Ich werde gegen die Muster und Wiederholungen nicht mehr ankämpfen. Mein neuer Blick für das Leben geht in mich selbst hinein. Welche Werte ich habe und wie ich sie verändern, ausdrücken und leben kann. Alles in mir sucht nach Möglichkeiten, um den Tag zu lieben, den ich heute habe und die Ereignisse gut zu bewältigen, die er mir bringt. Liebe, Güte und Freundlichkeit zu leben, ohne etwas dafür zu erwarten, einfach nur weil es sich in mir gut anfühlt. Was immer ich tue, versuche ich mit Liebe und Hingabe und auf gute Art und Weise zu tun. Wer mich davon abbringen will, wird das nicht schaffen. Das sind meine neuen Ankerpunkte, an denen ich mein Handeln und mein Leben messe. Die alten Muster finden an mir nichts mehr zum Einhaken und die Wiederholungen hören auf.
  • Stufe 6 (Loslassen): Wenn etwas nicht stimmt und es sich dennoch an mir festgehakt hat, bin ich bereit loszulassen.

Viel Freude beim Ausprobieren!

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1 Kommentar

  • Antworten Leon 16. Mai 2016 um 9:00

    Na also das ist eine spannende Geschichte. Ich war automatisch schon auf dem Weg meine eigenen Ankerpunkte in den Fokus zu nehmen, aber falle immer wieder auf meine alte kindheitliche Sicht aufs Leben zurück; wo mein Leben ganz schlimm ist; Wenn ich etwas nicht annehmen kann oder ich etwas ganz stark haben muss, das ich nicht kontrollieren kann. Wie schön es ist sehen zu lernen, dass man das unbewusst so weit treiben kann bis man sich selbst komplett aus den Augen verliert und man nicht mehr man selbst ist; und man dann furchtbar darunter leidet, dass Dinge nicht so sind wie man sie möchte; man ist völlig verabschiedet vom eigenen Inneren und sieht nur wie furchtbar das Leben ist, und wo es einen überall unglücklich macht. Und dann kommt der Punkt wo man das so ‘nicht mehr aushält’ und man das Äußere zumindest ein Stück weit loslässt. Und man ‘erwacht’ tatsächlich wie aus einem Film und fängt an sich wieder zu spüren. Und die ganzen Probleme scheinen flüchtig, schon irgendwie belanglos und ohne Macht im Vergleich; Selbst wenn die Muster nicht auf einmal schön erscheinen oder die Welt gänzlich verwandelt ist und den Wünschen entspricht, hat man auf einmal erkannt, dass sie nicht in den Vordergrund rücken müssen und das eigene Erleben übernehmen. Wenn man sie akzeptieren kann und sich innen verankert und als ‘sich selbst’ spürt. So wie man innerlich schon weiß, dass man wirklich ist; auch wenns ‘Keiner’ sieht. Schön, dass ich mich in einem Augenblick an diesen Artikel erinnert habe, als es in meiner Welt gerade mal wieder drunter und drüber ging. Das Leben wird mich sowieso immer wieder testen und die Basis das bewusst sehen zu lernen ist schon mal wunderbar. Gruß, Leon

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